Bakterien und die Folgen…


Der Wunsch, wieder schnell nach Hause zu kommen…. ist in weite Ferne gerückt. Die Entzündungswerte und die Anzahl der verschiedenen Bakterien sind nicht ohne. Der Antibiotika-Cocktail wurde entsprechend angepasst. Die von der VAC-Pumpe abgedeckte Wunde ist leider sehr tief und groß. Damit wird es nicht möglich sein, die Wunde einfach zu verschließen. Es wird zu einer Lappenplastik (Muskel- und Hauttransplantation) kommen. Doch das wird noch etwas dauern. Bei den Entzündungswerten wurde eine Weiterbehandlung vom ersten möglichen Krankenhaus in Soest schon mal abgelehnt. Aber das darf mich nicht entmutigen. Dafür sorgen hier in Paderborn das Liborifest direkt vor der Tür, die vielen Freunde die sich die Klinke in die Hand geben und meine Familie. Aber besonders mein lieber Mann, der unermüdlich für mich sorgt und sich dabei selbst vergisst.

Der erste Tag in Paderborn


Mein erster Morgen….  Frühstück…. 2 Brötchen, Wurst, Käse, Marmelade und Kaffee mit Nachfüllung. Ich fühlte mich einfach wohl.

Dann kam die Visite. Der Verband wurde abgenommen, da ich Schmerzen von der Schiene hatte und ich sie nicht wieder anlegen wollte. Der Arzt schaute auf die Naht am Innenknöchel, besorgte Miene und …. „dass sollte sich der Oberarzt lieber mal ansehen“. 30 Minuten später kam der Oberarzt. Er schaute auf den Fuß und auf mich und sagte: „Sofort OP“!  Diese war dann gegen 14.00Uhr, als das Frühstück verdaut war.

Sehr später Nachmittag…. wieder im Zimmer und mir ging es gar nicht gut. Ich hatte nicht mit so etwas gerechnet.Ich hatte eine VAC-Pumpe auf den Innenknöchel, eine Antibiotikainfusion im Arm und fürchterliche Schmerzen.

Der absolute Tiefpunkt!

Aber die liebevolle Betreuung durch meinen Mann und dem Personal auf der Station hat mir sehr über diese schweren Stunden geholfen.


 

Zurück nach Deutschland


Am Freitag den 21.7.2017 gleich nach dem Frühstück kam der Krankentransport vom ADAC. Nun sollte es über 800 Kilometer nach Hause ins St. Vincenz Krankenhaus gehen.   wollte schon immer mal liegend über die Autobahn fahren. Aber Spaß macht es nur mit den bunten Pillen (Schmerzmittel) die ich reichlich mitgekommen habe. Gegen 15.00Uhr Ankunft in Paderborn. Aufnahme, Begutachtung (Wunde lt. Arzt sollte beobachtet werden) und ab ins 2-Bett-Zimmer. Nette Bettnachbarin und wir können uns verständigen. Schmerzen nicht so gut, aber Morphium gibt’s hier nicht. Bekomme aber Schmerzmittel die helfen. Die Lagerungsschiene für das Bein (in Frankreich bekommen nach der OP) drückt sehr. Werde sie wohl zu Nacht heimlich abmachen.


 

Gefällt mir nicht….


Heute ist wieder Verbandswechsel und so ganz gefällt mir nicht, was ich da sehe. Aber auf Nachfrage scheint alles in Ordnung zu sein. Die Nähte selber sind etwas gewöhnungsbedürftig und eigentlich auch nicht schön. Aber das sind Probleme, mit denen sollte ich mich in der jetztigen Situaton nun wirklich noch nicht beschäftigen. Aber Frauen
legen nun mal Wert auf Optik!!!

In zwei Tagen soll es per ADAC dann ins Krankenhaus nach Paderborn gehen.
Habe mich für das St. Vincenz entschieden. Da bin ich schon einmal wegen Unfallfolgen mit dem Rad behandelt worden.

2. OP in Frankreich


Heute war die zweite OP, der Fixateur wurde entfernt, das Volkmannsche Dreieck mit zwei Schrauben und das Waderbein mit einer Platte wieder in Position gebracht. Beim Innenknöchel wurde alles so gelassen. habe höllische Schmerzen und bekomme reichlich Morphium. bin regelrecht auf eine Trip.


 

Visite und die Erklärung der Brüche



Untergebracht bin ich in einem neuen
supermodernen neuem Krankenhaus am Rande von Trévenans, rießiges Einzelzimmer – Unfalltraumatologie, Fernseher (frz. Sender) und schnelles Internet.

Heute war dann die Visite. Anders als in Deutschland, ist das in Frankreich wohl nicht immer täglich der Fall. Die morgentlichen Routineuntersuchungen werden in diesem Krankenhaus computergesteuert durchgeführt. Da haben die Ärzt gleich Zugriff auf alle Daten und kommen nur im Notfall oder routinemäßig zu den Patienten.Ich spreche kein französisch und der Arzt kein deutsch, englisch ging dann. Meine Brüche sahen dann wie folgt aus (einfache Erklärung, für jeden verständlich):

  • offerner Bruch mit Austritt des Schienbeinknochens aus einer 10cm großen Wunde
  • Abbruch des Innenknöchels und Volkmannschen Dreiecks (hinten an Schienbein)
  • Bruch des Wadenbeins
  • Abriss der Syndesmose ( Band zwischen Schien- und Wadenbein)
  • etliche Knochensplitter

Der Innenknöchel wurde mit zwei Drähten (üblich in Frankreich) am Schienbein fixiert, die Wunde verschlossen und die Brüche bis zur nächsten OP (in 12 Tagen) mit einem externen Fixateur versorgt. Antibiotika zur Verhinderung einer Wundinfektion, diese kommt bei offenen Brüchen sehr häufig vor.

Das war erst mal zu realisieren, was dies bedeutet. Der erste Bruch… und dann so.


 

der Tag danach


Du kommst nach der nach der OP zu dir und das Erste was du siehst ist dieser Fixateur. Hatte ich so noch nie gesehen, aber der Fuß war noch da. Höllische Schmerzen, Einzelzimmer und ich spreche und verstehe nicht wirklich französisch. Aber da war ich nun und musste versuchen damit klar zu kommen.

MEIN ERSTER BRUCH !!! … und dann gleich so……

 


 

Der Fall ins Nichts


Tour de France 5. Etappe auf einer Wiese kurz vor Fresse.
Schöner sonniger Tag, viele Leute am Straßenrand und alle freuen sich auf das bevorstehende Ereignis. Ich wechsel die Straßenseite um einen besseren Ausblick zu haben. Auf dieser Seite ist das Gefälle zur Wiese etwas 2 Meter. Die Werbekaravane (eine Mischung aus Verteilung von Sponsoren-Werbeartikel und Karnevalsumzug) ist im Anmarsch. Kinder und viele Fans sind verrückt nach diesen »Devotionalien«. Ich schon lange nicht mehr. Liegt zu Hause in irgendwelchen Schachteln und das wars.
Leider mache ich den Fehler, eine Schritt zurück zu treten, um diesen Sammlern Platz zu machen.

Der Schritt ging ins Leere… gerutscht… gesprungen…. Loch im Boden…. noch ein zwei Schritte… das war es dann.          Offener Bruch!!!

Dann ging alles sehr schnell….. Gendarmerie sperrte die Staße halbseitig…. drei Krankenwagen sofort vor Ort. Die betreuen sonst nur die Radprofis. Mit den Schmerzspritzen und der Menge an Leuten um mich, …. ich fühlte mich wie einer von Ihnen. Bevor die Fahrer an der Unfallstelle vorbeifuhren, war ich schon auf dem Weg
ins Krankenhaus.

Die Etappe hatte ich mir auch ganz anders vorgestellt.